Sprachenrat Saar fordert eine bildungspolitische Konkretisierung der Frankreichstrategie

Pressemitteilung des Sprachenrates Saar zur aktuellen Diskussion um die Frankreichstrategie des Saarlandes

Der Sprachenrat Saar, ein Zusammenschluss von Institutionen aus Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft, fördert seit seiner Gründung 1991 das Lernen der französischen Sprache im Saarland. Angesichts der aktuellen Diskussion um die Frankreichstrategie des Saarlandes wird vorgeschlagen, dass das Bildungsministerium konkrete Entwicklungsperspektiven und Ziele benennt, statt nur auf Erreichtes hinzuweisen.

„Dass die amtierende Bildungsministerin in einem Interview in der Saarbrücker Zeitung den Eindruck erweckt, die jetzigen Französischangebote im Schulbereich seien ausreichend und die Frankreichstrategie im Schulbereich nicht zu realisieren, erscheint wenig glücklich. Auch die Nennung des Herkunftssprachenlernens in direktem Kontext der Frankreichstrategie als mögliche Konkurrenz zu Französisch ist nicht zielführend“, so der Vorsitzende des Sprachenrates, Wilfried Schmidt. Der Hinweis der Ministerin auf „ein sehr gutes Angebot“ verkenne zudem die Qualitätsprobleme im bestehenden Französischunterricht insbesondere der Grundschule, die angegangen werden müssten. Das Sprachenkonzept Saarland 2019, das gemeinsam von Bildungsministerium, Universität und weiteren Experten aus dem Bildungsbereich erarbeitet worden sei, biete hierzu eine Fülle von Vorschlägen. „Eine Nichtdurchführung qualitätssteigernder Maßnahmen käme angesichts der derzeitigen insgesamt mangelnden Effizienz des stufenübergreifenden Französischlernens einer Verschwendung von Mitteln und Unterrichtszeit gleich und würde das Französischlernen im Saarland weiter diskreditieren“, so Wilfried Schmidt.

Mit der Frankreichstrategie solle das Saarland zu einem „leistungsfähigen mehrsprachigen Raum“ werden, der deutsch-französisch geprägt sein soll. Von dem sprachenpolitisch eher problematischen Begriff der Zweisprachigkeit ist im Eckpunkte-Papier zur Frankreichstrategie nicht die Rede. Für das Sprachenlernen bedeutete dies, so das Sprachenkonzept, dass saarländische Schülerinnen und Schüler  auf dem Fundament einer hohen Kompetenz in der Bildungssprache Deutsch und gegebenenfalls einer anderen Herkunftssprache möglichst gut die Nachbarsprache Französisch, die globale Lingua franca Englisch und gegebenenfalls weitere Sprachen lernen sollten.

Ergänzt wird die Frankreichstrategie durch eine Vision. Danach würde der Prozess hin zu einer leistungsfähigen Mehrsprachigkeit für die Kinder der Jahrgänge ab dem „Élyséejahr 2013“ intensiviert, so dass im Jahre 2043 Französisch als weitere Verkehrssprache die Amts- und Bildungssprache Deutsch ergänzen soll. Wilfried Schmidt: „Diese Vision erfüllte bei aller Schablonenhaftigkeit ihren Zweck insofern, als sie die ehrgeizigen sprachenpolitischen Ziele gut veranschaulichte. Die Frankreichstrategie ist aber viel mehr als die Vision eines zweisprachigen Saarlandes. Aktuell ist ein zielgerichtetes realistisches Bild der Frankreichstrategie zu erarbeiten.“

Laut Sprachenkonzept des Bildungsministeriums könnte die in der Frankreichstrategie vorgeschlagene flächendeckende Einführung des Französischunterrichts ab Klassenstufe 1 den Aufbau einer umfassenden und weitreichenden Verkehrssprachenkompetenz ermöglichen. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass neben dem frühen Französischunterricht in größerem Umfang bilingualer deutsch-französischer Sachfachunterricht erteilt würde. Deshalb, so das Sprachenkonzept, sollte Französisch ab Klasse 1 Pflichtfach für möglichst alle Schülerinnen und Schüler werden.

Für den bilingualen Sachfachunterricht müsse qualifiziertes Lehrpersonal mit hoher Französischkompetenz eingestellt werden. Auch hierfür würden Wege im Sprachenkonzept aufgezeigt. Über die im Koalitionsvertrag vorgesehene Vereinfachung des Einsatzes muttersprachlicher Fachkräfte sollte gerade angesichts des derzeitigen Lehrermangels an Grundschulen intensiver als bisher nachgedacht werden. In diesem Zusammenhang geht es um weitere Möglichkeiten, für den intensiven Französischunterricht und den bilingualen Sachfachunterricht neben den entsprechend qualifizierten Absolventinnen und Absolventen der Saar-Universität qualifizierte zweisprachige Lehrkräfte aus Lothringen einzustellen.

Schnellstmöglich sollte das Bildungsministerium grünes Licht geben für das bestechende Vorhaben der Universität des Saarlandes, gemeinsam mit Partnern in Lothringen mit dem integrierten grenzüberschreitenden Studiengang BiPrimar eine binationale und bivalente gemeinsame Ausbildung von mehrsprachigen Grundschullehrkräften aufzubauen.

Der Sprachenrat Saar will das Bildungsministerium und die Landesregierung in der Umsetzung der Frankreichstrategie weiter unterstützen. Er schlägt seit langem die Bildung einer kompetent besetzten Lenkungsgruppe vor, die Steuerungs- und Entwicklungskonzepte ausarbeitet und implementiert. Wilfried Schmidt: „Am 29. Januar 2020 wird der Sprachenrat Saar gemeinsam mit dem Lehrstuhl für romanische Sprachwissenschaft  an der Universität des Saarlandes eine Evaluationstagung zur Umsetzung des Sprachenkonzeptes und der Frankreichstrategie in Saarbrücken durchführen. Im Rahmen dieser Tagung, die vom Bildungsministerium unterstützt werden sollte, werden konkrete Schritte und ihre Umsetzung diskutiert werden. Zu dieser Tagung darf ich schon heute alle interessierten Bürgerinnen und Bürger einladen.“

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