Positionspapier zur Gelebten Mehrsprachigkeit im Saarland

Das neue Sprachenkonzept der Landesregierung konzentriert sich fast ausschließlich auf die Bereiche Vorschule und Schule. Es ist somit ein zwar notwendiger, aber kein hinreichender Schritt hin zu dem, was der Sprachenrat Saar seit seiner Gründung als Ziel anstrebt: „Gelebte Mehrsprachigkeit“ im Saarland mit dem Schwerpunkt auf der Nachbarschaftssprache Französisch plus Englisch als moderner lingua franca. Der Sprachenrat knüpft dabei an die Forderung des Europäischen Rates an, der das Konzept „Muttersprache plus zwei Fremdsprachen“ seit langem offensiv vertritt. Das Konzept „Gelebte Mehrsprachigkeit“ muss nach Auffassung des Sprachenrates Saar deshalb alle Bildungsbereiche, Politik und Verwaltung, Kultur sowie die Medien umfassen.

Die demographische Entwicklung im Saarland wird sich in den nächsten Jahrzehnten deutlich verschlechtern, während die Bevölkerungsentwicklung im benachbarten Lothringen sich als stabil erweist und sogar Zuwächse aufweist. Die bereits hohe Zahl von Lothringern, die im Saarland arbeiten möchten, wird so in Zukunft noch erheblich zunehmen. Gleichzeitig verfügen immer weniger junge Franzosen aus der Grenzregion über dialektale Kenntnisse oder ausreichende Fertigkeiten in der deutschen Standardsprache. Das Saarland braucht deshalb in Zukunft erheblich mehr französisch sprechende Führungskräfte in Handel, Industrie und Dienstleistung, um auf Dauer seine Wettbewerbsfähigkeit im nationalen und internationalen Rahmen zu sichern.

Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass auch im Bereich der Politik und Verwaltung sowohl auf regionaler wie auf kommunaler Ebene die Grenzregionen sich stärker als bisher vernetzen und intensiver zusammenarbeiten werden (Eurodistrikt, Eurozone, Quattropole etc.). Diese grenzüberschreitenden Strukturen werden jedoch nur gedeihen können, wenn über das bislang erreichte Maß hinaus Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen, aber auch politische Funktionsträger Französisch beherrschen, also eine französisch durchsetzte Infrastruktur entsteht, so dass eine Migration aus Luxemburg und Lothringen ins Saarland attraktiver wird. Zumindest auf Regierungsebene gibt es bereits vielversprechende Ansätze in der Personalpolitik: die Frankophonie in der Ministerialbürokratie ist z.T. vorbildlich entwickelt.

Neben diesem „pragmatischen“ Aspekt kann das Saarland mit einem umfassenden Konzept der „gelebten Mehrsprachigkeit“ eine Vorreiterrolle in der Bundesrepublik spielen und ein Alleinstellungsmerkmal erwerben, das aus ihm – jenseits wohlfeiler Marketing-Sprüche –  wirklich das „frankophonste Bundesland“ machen und seine Brückenfunktion nach Frankreich und seine Rolle als europäische Kernregion im Verbund mit den Nachbarn erheblich stärken würde. Kultur und Medien müssten dabei einbezogen und alle Bildungsbereiche auf das Globalziel „gelebte Mehrsprachigkeit“ verpflichtet werden.

Saarbrücken, Juni 2010

Protokoll der Mitgliederversammlung am 22.10.18 im Alten Rathaus um 16 Uhr

Teilnehmer

  • Norbert Gutenberg (Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Heiner Zietz (Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Albert Raasch (Ehrenvorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Klaus Meier (HWK)
  • Justus Wilhelm (HWK)
  • Charlotte Schneider (IHK Saarland)
  • Tina Raubenheimer (VSU)
  • Winfried Schmidt (Volkshochschulverband)
  • Bettina Schwandt (UdS/ZfL)
  • Joachim Mohr (Ministerium für Bildung und Kultur)
  • Anette Marx (ministerium Bild. und Kult.)
  • Romana Weiershausen (UdS)
  • Oliver Groll (IHK Saarland)

Zusätzlich zu den ständigen Vertretern der Mitgliedsorganisationen: Winfried Schmidt und Olivier Groll

Tagesordung

Vorbereitung des Runden Tischs

Protokoll

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde informiert der Vorsitzende über den Stand der Vorbereitungen und bittet um Vorschläge für den geplanten Runden Tisch. Die Versammlung diskutiert 1 Stunde lang intensiv und z.T. sehr detailliert zahlreiche Anmerkungen, Erfahrungen und Vorschläge zu allen Aspekten einer Implementation des Französischen als funktionaler Zweitsprache im Saarland, einschließlich bildungspolitischer und ökonomischer Desiderate und Schwierigkeiten. Als Fazit ist festzuhalten:

  1. Es sollen saarländische Firmen mit hoher Französischkompetenz zum Runden Tisch eingeladen werden.
  2. Der Runde Tisch strebt an:
  • ein Bekenntnis der Landesregierung zur Fortführung und Intensivierung der Frankreich Strategie zu erhalten (oder das Gegenteil öffentlich festzustellen!) – anhand ausgewählter plastischer Beispiele (Bildung, Wirtschaft, etc.) die Komplexität und Schwierigkeit einer solchen Zielsetzung (Zweisprachigkeit bis 2043) deutlich zu machen und damit die Notwendigkeit einer gründlichen Machbarkeitsstudie zu begründen. – das Angebot des Sprachenrats zu unterbreiten, die Kompetenz(en) und Personen zu organisieren, die dafür nötig sind.

Protokoll der Mitgliederversammlung am 28.02.18 im Alten Rathaus um 16 Uhr

Teilnehmer

  • Norbert Gutenberg (Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Heiner Zietz (Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Albert Raasch (Ehrenvorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Bettina Schwandt (UdS/ZfL)
  • A. Marx (ministerium Bild. und Kult.)

Tagesordung

1. Bericht des Vorstandes
2. Aktivität Migrantensprachen
3. Frankreichstrategie: Bericht vom Runden Tisch
4. Sonstiges

Protokoll

1. Nach der Veränderung in der Regierung des Saarlandes einen runden
Tisch zu initiieren, zu dem
der Sprachenrat die Hauptakteure von Wirtschaft und Kultur im Saarland
(Sprachenratsmitglieder
und Nichtmitglieder) bittet, um die neuen Akteure in der saarländischen
Landesregierung zu
befragen, ob sie die Frankreichstrategie fortsetzen und -besser noch-
intensivieren wollen.

2. Der Sprachenrat fordert von der Bildungspolitik des Landes
entscheidende Schritte hin zur
Integration der Migrantensprachen ins Bildungssystem. Insbesondere
fordert der Sprachenrat, dass
sobald als möglich in saarländischen Grundschulen allen Kindern mit
Migrationshintergrund,
deren Eltern das wollen, einen Grundschulunterricht (Erst Lese- und
Schreibunterricht) in den
häufigsten Migrantensprachen angeboten wird (Türkisch, Italienisch,
Arabisch, Russisch).
Der Sprachenrat bittet Albert Raasch um den Entwurf eines
Positionspapiers, das dann
verabschiedet und in der Öffentlichkeit vertreten werden soll. Hier
sieht der Sprachenrat auch die
Möglichkeit einer inhaltlichen Kooperation mit dem Sprachenrat in Bremen.

Protokoll der Mitgliederversammlung des Sprachenrates Saar am 22.6.17 im Alten Rathaus Um 17 Uhr


Teilnehmer

  • Norbert Gutenberg (Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Heiner Zietz (Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Joachim Mohr (Ministerium für Bildung und Kultur)
  • Pierre Lang (Ministerium für Bildung und Kultur)
  • Charlotte Schneider (IHK Saarland)
  • Justus Wilhelm (HWK)
  • Julitte Ring (GMF)
  • Bettina Schwandt (UdS/ZfL)
  • Volker Schuler (DGB)

Punkte der Tagesordnung

  • Bericht Vorstand
  • Newsletter LPM
  • Vorstellung Berufsnetzwerk Frau Schneiders IHK
  • Vorstandsneuwahl

Protokoll

1.Bericht Vorstand

  • ein Mitglied verloren (Gesamtlandeselternvertretung (GLEV), teilt ‚radikale‘ Position Sprachenrat zur Frankreichstrategie nicht, ist ausgetreten)
  • Veranstaltung mit Ministerpräsidentin, Vertretern aus Wirtschaft, saarländischen Eltern und Schülern zur Frankreichstrategie und der Wichtigkeit des Französischen gescheitert an Widerstand GLEV
  • Treffen mit Philipp Krämer (FU Berlin, Studie zur Frankreichstrategie), Text liefert keine neuen Erkenntnisse, aber wenn Krämer im Saarland → Planung Veranstaltung bei der er seine Ergebnisse vorstellen soll
  • In letzten Monaten Wiederholung älterer Aktion: Anschreiben Organisationen Migrantensprachen, vor einigen Jahren auf Schreiben keine Rückmeldung, diesmal kleiner Rücklauf → Treffen geplant
  • vor einigen Wochen Wiederholung Anfrage Staatskanzlei Veranstaltung ‚Was bringt es jungen Leuten Französisch zu können‘; in erster Linie für Berufsbildung, Leute die hier arbeiten wollen. Noch keine Antwort, in nächsten Wochen Rückfrage → Frau Ring schlägt vor, auch bei Marc Reck anzufragen
  • Finanziell guter Stand
  • Herr Gutenberg ist jetzt Mitglied EuropaUnion, das hat ggf. Konsequenzen für Sprachenrat, EuropaUnion hat noch keinen Vorstand, aber wenn, dann wird angefragt, ob sie Mitglied im Sprachenrat werden will

2. Vorstandsneuwahl

  • Kandidatenliste:
    • Prof. Dr. Norbert Gutenberg, Universität des Saarlandes (1. Vorsitzender)
  • Heiner Zietz, Verband der Volkshochschulen des Saarlandes (2. Vorsitzender)
  • Dr. Justus Wilhelm, Handwerkskammer des Saarlandes ( Schatzmeister)
  • Abstimmung:
    • Dafür: 5
    • Dagegen 0
    • Enthaltungen 3
  • Damit bisheriger Vorstand für 2 Jahre wiedergewählt, nimmt die Wahl an
  • in nächsten 2 Jahren muss Nachfolge geklärt werden, wer vertritt Uni, wer wird Vorstand
  • Wichtige Frage: Wo und mit welchen Mitteln könnte Sprachenrat was genau tun. Man sollte besprechen, was die Rolle des Sprachenrates in den kommenden Jahren ist,  vielleicht auch eine komplette Sitzung lang

3. Newsletter LPM

  • Newsletter Herr Wagner
  • Herr Wagner jetzt in Rente, hat Newsletter aufgebaut → Sammlung zu Sprachen mit Links zu Didaktik, Veranstaltungen, viele Lehrer Abonnenten und Nutzer, dauerhafter nicht nur punktueller Charakter. Übergreifender Newsletter, Material auch aus Ausland, deckt 3 große Schulsprachen ab, Webinare, großartige aber umfangreiche Sammlung, nicht nur für Technikaffine sondern für alle eine Fundgrube an Infos die über das rein Didaktische hinausreicht, aktuell und immer aktualisiert, aber auch Archiv
  • Sprachenrat würde Verschwinden Newsletter bedauern, wird LPM um Weiterführung bitten
  • (Am 29.6. hat Herr Jellonek mitgeteilt, dass Herr Wagner per Werkvertrag die Newsletter weiterführen wird)

4.Vorstellung Berufsnetzwerk Frau Schneiders IHK

  • Frau Schneiders ist Mobilitätsberaterin der IHK, berät bei Auslandsaufenthalten z.B.  während einer dualen Ausbildung
  • Seit April: IHK Mitglied im Netzwerk Berufsbildung ohne Grenzen (weitere Mitglieder: ca. 5-6 IHKs ansonsten Handwerkskammern und Wirtschaftsverbände)
  • Netzwerk beschäftigt sog. Mobilitätsberater
  • weiteres Projekt IHK: grenzüberschreitende Berufsausbildung → kofinanziert durch Region Grand Est, 2 Berufsberater die grenzüberschreitende Ausbildung betreuen, Hauptpublikum aktuell französische Jugendliche
  • Finanzierung:: Erasmus+-Agentur einer der Hauptpartner, aber auch Suche nach alternativen Fördermöglichkeiten
  •  Netzwerk Berufsbildung ohne Grenzen existiert seit 2009, seitdem verschiedene Förderer, seit 2015 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Entsendungszahlen liegen für 2016 bei ca. 8000 Personen, Maßgabe Koalitionsvertrag, dass bis 2020 10% aller Auszubildenden einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren sollen. Aktuell liegen die Zahlen bei 4-5%
  • Erasmus + ist auch explizit für Auszubildende, nicht nur für Studierende, in diesem Bereich soll daher ‚gepusht’ werden
  • bzgl. des Programms zur grenzüberschreitenden Ausbildung nehmen aktuell insgesamt 25 Azubis teil. Diese 25 machen einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland
  • Beim Programm grenzüberschreitende Ausbildung wird der praktische Teil komplett im Ausland gemacht, das Netzwerk Berufsbildung ohne Grenzen bietet Praktika.
  • Vorschlag Herr Mohr: Komplette Sitzung über Projekte und Ergebnisse
  • Vorschlag Frau Schneiders: Ihre Kollegen von der Agentur mit dazu zu nehmen, ohnehin Idee Feedbackgespräche für alle grenzüberschreitenden Azubis →  Möglichkeit, die Veranstaltung mit dem Sprachenrat zusammen zu machen
  • Frage: Wie ist die Nachfrage nach Auslandspraktika in anderen Sprachen? Wird das angeboten oder gibt es nur Austausch mit Frankreich? Antwort Frau Schneiders: regional bedingt, Cottbus z.B. hat Austausch mit Tschechien und Polen. Der Fokus liegt auf Outgoing, trotzdem gibt es manchmal Austausch
  • Anmerkung Herr Wilhelm: Handwerk unterstützt Initiative, aber sie ist eher was für große Unternehmen statt für KMU

Protokoll der Mitgliederversammlung des Sprachenrates Saar am 30.06.2016 im Alten Rathaus

Punkte der Tagesordnung

  1. Bericht des Vorstandes
  2. Austritt der Landeselternvertretung aus dem Sprachenrat
  3. Aktivitäten, insbesondere zur Frankreichstrategie
  4. Sonstiges

Teilnehmer

  • Heiner Zietz, Landesverband der Volkshochschulen des Saarlandes
  • Roman Lutz, Arbeitskammer des Saarlandes
  • Albert Raasch, Universität des Saarlandes
  • Volker Schuler, DGB-Saar
  • Charlotte Schneiders, IHK Saarland
  • Bettina Schwandt, UdS, Zentrum für Lehrerbildung
  • Juliette Ring, GMF

Der Bericht des Vorstandes beschreibt im Wesentlichen die Situation nach dem Austritt der Landeselternvertretung. Dieser Austritt dokumentiert nicht nur gegenüber dem Sprachenrat, sondern auch gegenüber der Landesregierung, dass die Landeselternvertretung die Frankreichstrategie in dem entscheidenden Punkt `funktionale Zweisprachigkeit des Saarlandes‘ und die damit verbundene dominante Rolle des Französischen nicht mitträgt. Die Versammlung erörtert und beschließt folgende Aktivitäten:

Protokoll

  1. „Krisentreffen“ Sprachenrat mit Staatskanzlei
  2. Danach Angebot einer Aussprache an die Landeselternvertretung
  3. Planung einer Veranstaltung mit der Landesschülervertretung und der Staatskanzlei
  4. Veranstaltung der Wirtschaftsorganisationen, bes. Kammern, mit der Landeselternvertretung zu `Chancen durch Französisch´
  5. Veranstaltung zur Frankreichstrategie/ Französisch mit den Lehrerverbänden
  6. Frankreichstategie / Französisch und die Migrantensprachen im Saarland

Die Punkte 1.-3. werden konkret beschlossen. Frau Rink und Herr Gutenberg werden sich darum kümmern.

Punkt 4: die Vertreter der Wirtschaftsorganisationen im Sprachenrat werden den Plan weiter konkretisieren.

Punkte 5. und 6. werden vorerst zurückgestellt.

Protokoll der Mitgliederversammlung am 11. November 2014 im Alten Rathaus um 17-19 Uhr

Teilnehmer

  • Norbert Gutenberg (UdS, 1. Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Heiner Zietz (VHS, 2. Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Albert Raasch (Ehrenvorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Justus Wilhelm (HWK)
  • Volker Schuler (DGB-Saar)
  • Bettina Schwandt (VdF)
  • Joachim Mohr (Ministerium für Bildung und Kultur)
  • Christine Klos (Europaministerium, Staatskanzlei)

Protokoll

  1. Vorstellen der Frankreichstrategie durch Frau Klos

     1.1 Allgemeine Fakten

  • Frankreichstrategie ist Mehrsprachigkeitsstrategie und keine Französischstrategie
  • 66% befürworten die Strategie (Bevölkerung), alle Verbände, Institutionen, …
  • großes Interesse aus dem Ausland (Kanada, Schweiz, Korea,…)
  • Département Moselle entwickelt eine Deutschlandstrategie (Schaffen einer mehrsprachigen Großregion)
  • große Nachfrage aus der Bevölkerung nach deutsch-französischen KiTas und Grundschulen

       1.2 Vorhandene Ansätze und Umsetzungen

  • Entwickeln der KiTas zu deutsch-französischen Einrichtungen (460 im Saarland)
  • DFG, 3 Schulen mit Abi-Bac, deutsch-französische Grundschulen
  • duale bilinguale Ausbildungen in beruflichen Schulen sollen eingerichtet werden → der erste Ausbildungsplatz wurde geschaffen in Kooperation mit Smart (Theorie in Sulzbach, Praxis bei Smart und Prüfung in Deutschland) und für das Jahr 2015 soll eine gesamte Klasse im Bereich des Verkaufes eingerichtet werden (Globus, Möbel Martin), die dual und bilingual ihre Ausbildung absolvieren; langfristige Doppeldiplome geplant
  • Sprachkurse für Angestellte der Landesverwaltung und Austauschprogramm in Kooperation mit DFJW für Angestellte unter 30 Jahren
  • „Élysée 2020“ wird Ende des Monats unterschrieben
  • bilinguale Erzieher Ausbildung mit frankophonen Auszubildenden geplant ebenso wie bilinguale Grundschullehrerausbildung
  • der Sprachenrat sieht noch immer große Probleme bei der Zeitschiene für die Umsetzung (15-20 Jahre statt 30)
  • großes Problem der Finanzierung, deshalb auch der Rahmen der 30 Jahre
  • das Problem der Nachhaltigkeit wurde angesprochen und es wurde vorgeschlagen, eine Leitlinie zu konzipieren, damit überprüft werden könne, welche Schritte von wem zu welchem Zeitpunkt erreicht werden müssen (anknüpfen an bereits bestehende feuille de route der Regierung)
  • Vorschlag des Sprachenrates, dass eine Lenkungsgruppe geschaffen werde müsse, um konkrete Maßnahmen umzusetzen
  • Bereitschaft des Sprachenrates zur Unterstützung und Mithilfe bei der Umsetzung und der Planung konkreter Maßnahmen
  • Anregung des Sprachenrates zu einer begleitenden Evaluation des Prozesses durch UdS (z.B. Frankreichzentrum)
  • Danksagung von Frau Klos für das großzügige Angebot zur Mithilfe und Unterstützung
  • Danksagung für die Arbeit des Sprachenrates und seiner Vorarbeit, ohne die eine solche Strategie nicht hätte konzipiert werden können

Protokoll der Mitgliederversammlung des Sprachenrates Saar am 18.03.2014 im Alten Rathaus um 16Uhr

Punkte der Tagesordnung

  1. Stellungnahme zu „Eckpunkte der Frankreichstrategie“
  2. Diskussion der eigenen Stellungnahme
  3. Verbesserung der Stellungnahme

Teilnehmer

  • Norbert Gutenberg (UdS, 1. Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Heiner Zietz (VHS, 2. Vorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Albert Raasch (Ehrenvorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Lutz Götze (Ehrenvorsitzender des Sprachenrates Saar)
  • Justus Wilhelm (HWK)
  • Volker Schuler (DGB-Saar)
  • Gustav Dethmer (GMF)
  • Pierre Lang (MBK)
  • Claudia Polzin-Haumann (UdS)

Protokoll

  1. Diskussion zum Eckpunktepapier der Landesregierung
  • Fehlende Initiativen und fehlendes Engagement werden bemängelt
  • Höherer Druck soll ausgeübt werden um den Prozess zu beschleunigen (↓ 30 Jahre)
  • Gezielte Maßnahmen finden zur sofortigen Umsetzung
  • Die Situation des Deutschen in Lothringen
  • Migranten werden nicht mit einbegriffen in der Stellungnahme
  1. Zielrichtung der Stellungnahme des Sprachenrates
  • Forderung einer bilingualen Erzieher- und Grundschullehrerausbildung
  • Forderung einer wissenschaftlichen Begleitung/ Expertengruppe, um ein Marketingkonzept zu entwerfen und um die Umsetzung zu beschleunigen (Masterplan)
  • Beschleunigung des Prozesses wegen der zunehmenden kulturellen Dominanz (hier verdeutlichen, dass die Förderung des Französischen keine Gefahr für das Englische darstellt, sondern nur fördernd für den Erwerb weiterer Sprachen ist, dass es nicht um Französisch STATT Englisch geht)
  • Möglichkeiten, kurzfristige Initiativen aufzuzeigen (z. B Zusammenarbeit HWK und UdS für Seminare)
  • Regierung auffordern, auf französischer Seite in Lothringen ähnliche Programme bei der Bevölkerung einzufordern, um die Akzeptanz zu erhöhen
  • Migrantensprachen einbeziehen
  • Einbezug der Eltern, Schülervertretung, usw.

Stellungnahme des Sprachenrates Saar zum geplanten Sprachenkonzept der Landesregierung

Vorbemerkungen

Das Saarland bedarf, um als Kernregion auf Dauer den Anforderungen eines sich dynamisch entwickelnden europäischen Binnenmarktes zu entsprechen, nach Auffassung des Sprachenrates Saar weiterer sprachenpolitischer Anstrengungen, die über das bislang Erreichte hinausreichen müssen. In den kommenden Jahren sollte angestrebt werden, dass die Bürgerinnen und Bürger des Landes über ausreichende Kompetenzen in anderen Sprachen, vor allem der Nachbarsprache Französisch, verfügen, um ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern und ihr Wissen um die eigene und andere Kulturen zu vertiefen. Fremdsprachenkenntnisse dienen der Verständigung zwischen Menschen, können Konflikte zwischen Kulturen abbauen („soziale Kohäsion“) und sind auch eine wichtige, auch wirtschaftspolitisch bedeutende Grundlage für ein zusammenwachsendes Europa. Dies gilt in Sonderheit für die Grenzregion Saar-Lor-Lux.

Der Sprachenrat Saar begrüßt deshalb ausdrücklich, dass die Landesregierung endlich ein umfassendes Sprachenkonzept für den schulischen Bereich erarbeiten wird. Der Sprachenrat ist allerdings der Auffassung, dass ein solches Konzept nicht nur den schulischen bzw. vorschulischen , sondern alle Bildungsbereiche („lebenslanges Lernen“), die Medien und viele andere Bereiche des gesellschaftlichen Alltags umfassen sollte. Deshalb wird der Sprachenrat Saar in seiner Stellungnahme auch diese Aspekte ansprechen.

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Mehrsprachigkeit

Die Bildungs- und Gesellschaftspolitik des Saarlandes sollte sich dem Ziel einer stufenweise zu realisierenden „gelebten Mehrsprachigkeit“ verpflichten. Hierzu zählen nach Auffassung des Sprachenrates:

  •  gute aktive wie passive Grundkenntnisse des Französischen als Basis-Fremdsprache
  • Englisch als moderne „lingua franca“ und Verkehrssprache
  •  sowie mindestens eine weitere Fremdsprache

Ein solches Ziel wird sich nur dann mit Aussicht auf Erfolg anstreben lassen, wenn es alle Bildungsbereiche – von der Vorschule bis zur Universität – umfasst und darüber hinaus, im Sinne der „gelebten Mehrsprachigkeit“ die Alltagswirklichkeit aller Saarländerinnen und Saarländer mitprägt: Mehr Fremdsprachige, besonders französischsprachige Beträge in unseren Medien (Print ,Rundfunk und Fernsehen), Förderung der Ausstrahlung fremdsprachiger Filme in der Originalsprache mit Untertiteln, eine stärkere Präsenz französischsprachiger Hinweise und Beschreibungen im öffentlichen und privaten Raum, kostenfreier Zugriff auf fremdsprachige Homepages für Schulen und Weiterbildungsinstitutionen sind hier beispielhaft zu nennen.

Dem Sprachenrat erscheint es dabei unerlässlich, dass die saarländische Landesregierung hierzu eine fundierte wissenschaftliche Studie, in der die konkreten Schritte hin zu diesem bildungspolitischen Globalziel (Zeitrahmen : 30 Jahre) entwickelt werden sollen, in Auftrag gibt – mit Präferenz im Rahmen eines EU – Projektes, für dessen Planung und Durchführung der Sprachenrat Saar seine Mitarbeit anbietet. 

Französisch im Kindergarten und in der Grundschule

Die bestehenden Französisch – Angebote im Vorschulbereich nach dem Immersions-Prinzip werden flächendeckend nach dem Motto „Kein Kindergarten ohne Französisch“ ausgebaut. Das Land sollte dafür Sorge tragen, dass vor allem geeignete Muttersprachlerinnen und Muttersprachler für diese Aufgabe gewonnen werden und entsprechend pädagogisch ausgebildet bzw. qualifiziert werden. Die weitere Einrichtung bilingualer Kindergärten ist zu fördern.

Im Primarbereich sollte der Übergang zum schulischen Französischlernen an den pädagogischen Konzepten aus dem Vorschulbereich anknüpfen und eine verstärkte Einbeziehung der qualifizierten muttersprachlichen Lehrkräfte ermöglichen.

Unerlässlich ist es hierbei, dass die saarländische Bildungspolitik in ihrer Elternarbeit die Vorteile eines frühen Fremdsprachenerwerbs noch deutlicher hervorhebt und ihre Informations – und Werbeanstrengungen diesbezüglich intensiviert.

Für die Grundschul-Ausbildung im Saarland sollten auch französischsprachige Muttersprachler gewonnen werden und die Ausbildung insgesamt auch für Lehrkräfte aus dem benachbarten Lothringen geöffnet sowie französischsprachige Ausbildungsmodule für die Studierenden mit deutscher Muttersprache angeboten werden. Ziel wäre es hierbei, dass bereits in der Grundschule im ausgewählten Fach bzw. Sachunterricht auf Französisch unterrichtet wird. Gleiches ist für den Deutschunterricht im Primarbereich für Lothringen anzustreben.

Französisch- und Englisch-Unterricht in Sekundarschulen

Dem Ziel „gelebter Mehrsprachigkeit“ verpflichtet, hält es der Sprachenrat Saar für unabdingbar, dass die Kontinuität des Fremdsprachenlernens auch bei Schulstufen und Schulform – Übergängen gewahrt bleibt, für die allermeisten Schülerinnen und Schüler also Französisch in allen Klassenstufen 5 unterrichtet wird. Ab Klassenstufe 5 sollte die zweite Fremdsprache einsetzen und jede Schülerin und jeder Schüler sollte ab Klassenstufe 7 die Möglichkeit erhalten, eine dritte Fremdsprache zu erlernen. Französisch sollte im Saarland nicht abgewählt werden können.

Der Sprachenrat Saar verweist in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme des Gesamtverbandes Moderne Fremdsprachen, der er sich voll inhaltlich anschließt.

Bilinguale Angebote und Austausch

Der Sprachenrat Saar unterstützt den weiteren Ausbau von Schulen mit bilingualem Zug sowie die Ausweitung von bilingualen Zweigen sowie fremdsprachige Modularisierungen für alle Schulstufen. Fremdsprachiger Sach- bzw. Fachunterricht sollte an saarländischen Schulen nicht mehr die Ausnahme sein, sondern zur Regel werden. Die daraus resultierenden Konsequenzen für die Lehrerausbildung und -qualifizierung sind bereits für die Grundschule erwähnt worden und müssen natürlich in der Ausbildung der Lehrkräfte für die Sekundarstufe Berücksichtigung finden.

Schulpartnerschaften und Schüleraustausch haben eine sehr wichtige soziale, kulturelle und sprachpädagogische Funktion und bedürfen der verstärkten, auch finanziellen Förderung. EU-Programme zum Austausch und Fremdsprachenlernen (Comenius, Leonardo und Grundtvig) sollten im Saarland umfangreicher genutzt werden als in der Vergangenheit. Hier könnte die Landesregierung stärker werbend, anleitend und begleitend auf die Schulen und Bildungsinstitutionen wirken und noch deutlich mehr konkrete Hilfestellungen, was die Partnersuche und die häufig abschreckende Antragsprozeduren betrifft, anbieten.

Deutsch als Zweitsprache

Die bislang durchgeführten staatlich und nicht-staatlich finanzierten Fördermaßnahmen vornehmlich im Elementarbereich und Primarbereich sind ein Beleg für den wachsenden Bedarf an gezielten und auf Dauer angelegten Förderprogrammen Deutsch als Zweitsprache. Den Ausbau dieses Bereiches und die Aufgabe einer verbesserten Abstimmung und Koordinierung sollte das Bildungsministerium als prioritäre Aufgabe definieren und entsprechend personell ausstatten.

Der Sprachenrat Saar sieht in diesem Bereich die Politik als Ganzes in der Verantwortung. Deshalb sollten bislang privat bzw. aus Stiftungsmitteln finanzierte Fördermaßnahmen mit zeitlich befristeter Dauer, wie zum Beispiel das Mercator-Projekt, in den Bereich der staatlichen Pflichtaufgaben überführt und qualifizierte pädagogische Personal aus den Projekten in den Landesdienst übernommen werden.

Nur durch eine solche Schwerpunktsetzung werden die leider immer noch gravierenden Konsequenzen unzureichender DaZ – Förderung (zu wenige höhere Schulabschlüsse für Kinder aus Migrantenfamilien, schlechte Berufs- und Ausbildungschancen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse, Schulabbrüche) zu bekämpfen sein.

Der Sprachenrat hält es darüber hinaus für unabdingbar, dass in der Deutschlehrerausbildung für alle Schulformen und -stufen ein Pflichtmodul DaZ zu absolvieren ist und alle zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer im Saarland in ihrer universitären Ausbildung auf die mehrsprachige Situation in den Schulen vorbereitet werden und über Grundkenntnisse in zumindest einer Migrantensprache verfügen sollten.

Deutsch als Muttersprache

Bis zu 25% eines Hauptschuljahrgangs in Deutschland sind nach den Maßstäben der Wirtschaft wegen riesigen Defizite in den Schlüsselkompetenzen Lesen, Reden, Schreiben, Hören nicht ausbildungsreif. Daß dieser Hauptschuljahrgang zu 18% Migrationshintergrund hat, sollte nicht zu der Annahme verleiten, dass diese 18% allesamt nicht ausbildungsreif seien, also nur 7% der Muttersprachler/innen davon betroffen seien. Gerade ein im Saarland von 2005 bis 2009 durchgeführtes Forschungsprojekt zeigte in den mündlichen und schriftlichen Leistungen zwischen Muttersprachler/innen und Schüler/innen mit Migrationshintergrund keine signifikanten Unterschiede; eher waren die Lernfortschritte der Migrationskinder in den Trainings, die im Projekt getestet wurden größer. In dem Maße wie Jugendliche mit Migrationshintergrund Förderung im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ brauchen, brauchen ihre meist im Dialekt aufwachsenden Altersgenossen Förderung im Bereich „Deutsch als Muttersprache“. Dazu gehört, dass vor allem im Hauptschulzweig – und später in den berufsbildenden Schulen – der Deutschunterricht umgestellt wird von einer dem philologisch-literarischen Grundlage hin auf kommunikativ-funktionale Textsorten und realen, lebens- und arbeitsweltorientierten Kommunkationsaufgaben – mit den entsprechenden Konsequenzen für die universitäre Lehrerbildung.

Förderung herkunftssprachlicher Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund

Die herkunftssprachlichen Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund liegen in unserem heutigen Schulsystem weitestgehend brach, obwohl herkunftssprachlicher Unterricht und Modelle des Tandemlernens nach unserer Auffassung geeignet sind, den Lernerfolg und die Integrationschancen deutlich zu verbessern. Hierzu sind verstärkt pädagogische Konzepte zu entwickeln und umzusetzen ; in der Lehrerausbildung ist die Vermittlung von sprachlichen und kulturellen Kompetenzen hinsichtlich der Hauptherkunftsländer vieler Schülerinnen und Schüler deutlich zu verstärken.

Mit dem beschämend geringen Anteil von ausgebildeten Lehrern und Lehrerinnen mit Migrationshintergrund im saarländischen Schulwesen darf man sich nicht abfinden. Für den Beruf muss unter Migranten und Migrantinnen offensiv geworben werden und es ist zu prüfen, inwieweit das Instrument des Quereinstiegs in den Lehrerberuf für diese Zielgruppe ausgeweitet werden kann.

Berufsbildende Schulen

Fremdsprachliche Kompetenzen gewinnen im beruflichen Bereich zunehmend an Bedeutung; das Zusammenwachsen Europas ist hierfür ebenso verantwortlich wie Internationalisierung und Globalisierung. Diese Kompetenzen sind Voraussetzung für berufliche Mobilität des Einzelnen und gehören ebenso in die Unternehmenskultur international tätiger Firmen; auch tragen sie zur Förderung der Standortbedingungen einer Region bei, insbesondere dann, wenn der Schwerpunkt auf die Nachbarsprache in einer Grenzregion gelegt und eine sinnvolle Verbindung mit den unerlässlichen Kompetenzen in Englisch als „lingua franca“ gefunden wird. Damit könnte ein Beitrag zur Förderung der Mehrsprachigkeit im Saarland geleistet werden.

Die in der Grossregion bereits vorhandene, aber durchaus ausbaufähige Zusammenarbeit mit den entsprechenden Einrichtungen in der Nachbarregion kann die gerade in diesem Bereich notwendige Authentizität der Lerninhalte und Verwendungssituationen gewährleisten. Die Analyse und Auswertung von Bedarfen und Bedürfnissen hat noch lange nicht den Stellenwert erreicht, der für eine qualitative angemessene Vermittlung nötig ist. Aber auch die quantitativen Aspekte des Problemfeldes müssen aufhorchen lassen; die Teilnehmerzahlen im Fremdsprachenunterricht der berufsbildenden Schulen sind erschreckend niedrig, insbesondere im dualen Ausbildungsbereich (nicht nur im Saarland).

Die dringliche Verbesserung dieser Situation muss an verschiedenen Punkten ansetzen: Motivation, methodisch-didaktische Maßnahmen, Ressourcen, moderne Lehr- und Lernmittel, Praxisbezug, Internationalisierung, public-private-Kooperation sowie – von grundlegender Bedeutung – eine systemisch und grundlegend aus- und umzugestaltende Ausbildung der Lehrkräfte für den Bereich der Fremdsprachenvermittlung in berufsbildenden Schulen. Es erscheint sinnvoll, Ausbildungseinrichtungen (Hochschulen), Abnehmereinrichtungen (Kammern) und Administrationen (Bildungsministerium, Wirtschaftsministerium, Europaministerium und Ministerium für Arbeit und Soziales) zu gemeinsam verantworteter Planung und Realisierung zusammenzuführen.

Dann kann es gelingen, die bislang noch stark philologisch geprägte Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte des berufsbildenden Bereichs (Schule und Weiterbildung) in die notwendige Eigenständigkeit zu führen. Und dann besteht auch eine Chance, dass der berufsbildende Bereich „auf gleicher Augenhöhe“ mit dem allgemeinbildenden Bereich kooperiert und die so dringlich notwendigen berufsorientierten Impulse in diesen allgemeinbildenden Bereich hinein geben kann.

Zertifizierungen und Evaluationen von Sprachkenntnissen

Der Fremdsprachenunterricht auf allen Stufen und in allen Schulformen sollte sich nach Auffassung des Sprachenrates Saar stärker als bisher auch an den Fertigkeitsbeschreibungen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens orientieren und auf ihn abgestimmt sein. Das bisherige Angebot an standardisierten, international anerkannten, sich an den Niveaustufenbeschreibungen des Referenzrahmens orientierenden Prüfungsabschlüssen im Saarland (Delf, Dalf, Cambridge, Telc) sollte ausgebaut und vom Land finanziell gefördert werden. (Prüfungsgebühren müssten für Schülerinnen und Schüler aus finanzschwachen Familien vom Land übernommen werden). In einem Europa, in dem Bildungsabschlüsse zunehmend harmonisiert und vergleichbar gestaltet werden, stellen diese über den nationalen Rahmen hinaus anerkannten Zertifizierungen eines erreichten Fremdsprachenniveaus einen zunehmend wichtiger werdenden Bestandteil der jeweiligen Lernbiografie und des individuellen Sprachenportfolios dar.

Universität

Der Sprachenrat Saar fordert alle Hochschulen im Saarland auf, besonders aber die Universität, in allen Studiengängen, gleichviel in welcher Fakultät, eine Fremdsprache (2 Semester) obligatorisch zu machen. Englisch kann als Pflichtsprache NICHT gewählt werden. In den Fremdsprachenphilologien ist diese obligatorische Sprache nicht identisch mit der/den studierten Sprache/n.

Weiterbildung

Im Saarland bieten vor allem die staatlich anerkannnten und aus öffentlichen Mitteln geförderten Volkshochschulen ein flächendeckendes und umfassendes Spektrum an Fremdsprachunterricht in der Weiterbildung an, der sich auf allen Stufen am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen orientiert.

Die Volkshochschulen fördern somit in Anlehnung an die Ziele des Europarats gemäß dem Leitbild des „Lernens im Lebenslauf“ die Mehrsprachigkeit aller Bürgerinnen und Bürger. Ein wichtiger Schwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich Deutsch als Zweitsprache in den Bereichen Integration und Zuwanderung gebildet.

Der Verband der Volkshochschulen des Saarlandes unterhält eine Prüfungszentrale, die landesweit verschiedene Prüfungen für Sprachenzertifikate koordiniert und durchführt. In diesem Bereich arbeiten die Volkshochschulen und der Verband intensiv mit den allgemeinbildenden Schulen zusammen und leisten damit einen auf der institutionellen Ebene einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der Bildungseinrichtungen.

 Die Landesregierung des Saarlandes sollte sich dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur für das Fremdsprachenlernen in der Weiterbildung zu verbessern und qualitativ auszubauen. Hierzu sollte auf folgende Schwerpunkte gesetzt werden:

  • Sicherstellung und Ausbau einer für das Sprachenlernen erforderlichen flächendeckenden Infrastruktur
  • Förderung der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung
  • Fortsetzung der Vernetzung der Bildungsbereiche
  • Förderung des Erwerbs von Sprachzertifikaten für Schule, Hochschule und Beruf
  • Förderung des Sprachenlernens der Nachbarsprache Französisch
  • Förderung des Sprachenlernens von Deutsch als Zweitsprache für die Bereiche Integration und Zuwanderung


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