Evaluations- und Perspektivtagung

Am 29. Januar 2020 führten der SPRACHENRAT SAAR und der Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft an der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien in Saarbrücken die Evaluations- und Perspektivtagung „Sprachenkonzept – Mehrsprachigkeit – Frankreichstrategie. Ergebnisse und Perspektiven“
durch. Insgesamt nahmen an der Tagung rund 90 Personen teil, neben Verantwortungs-trägerinnen und –trägern aus den Bereichen Bildungs- und Europapolitik, Wirtschaft und Gesellschaft auch viele Sprachlehrkräfte und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Nach den Grußworten von Wilfried Schmidt, Vorsitzender des Sprachenrates Saar, der Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot und der Generalkonsulin der Französischen Republik, Catherine Robinet, gab Prof. Dr. Claudia Polzin-Haumann von der Saar-Uni im Einführungsvortrag einen aktuellen Überblick über die Frankreichstrategie als Mehrsprachigkeitsstrategie. Danach wurden wichtige sprachenpolitische Themen in folgenden
Ateliers vertieft:

  • Deutsch als Zweitsprache und Herkunftssprachen fördern
  • Das Frühe Französischlernen ausbauen
  • Das Lernen von Fremdsprachen und die Mehrsprachigkeit im Sekundarbereich weiterentwickeln
  • Schülerbegegnungen und internationalen pädagogischen Austausch ermöglichen
  • Das Sprachenlernen mit digitalen Lernangeboten optimieren

Im abschließenden Teil der Tagung wurden Ablauf und Ergebnisse der verschiedenen Ateliers im Plenum vorgestellt und von Jan Benedyczuk, Staatssekretär im Bildungsministerium, Christine Klos, Abteilungsleiterin im Europaministerium und Yoann Joly-Muller von der französischen Botschaft in Berlin kommentiert, bevor Wilfried Schmidt die Tagung mit der Einladung an alle Anwesenden beendete, bei einem Vin d’honneur das Gespräch fortzuführen.

Die Berichte und Empfehlungen der Ateliers können Sie untenstehend herunterladen.

Evaluations- und Perspektivtagung

Sprachenkonzept – Mehrsprachigkeit – Frankreichstrategie

Ergebnisse und Perspektiven

29. Januar 2020, 15:30 – 19:00

Saarbrücken, VHS-Zentrum am Schloss.

PROGRAMM

15:30 – 16:00 Vorab: Ankommen und Einschreibung in die Ateliers  
16:00 – 16:20 Grußworte Wilfried Schmidt, Vorsitzender des Sprachenrates Saar Christine Streichert-Clivot, Ministerin für Bildung und Kultur Catherine Robinet, Generalkonsulin der Französischen Republik  
16:20 – 16:40 Einführungsvortrag: Die Frankreichstrategie, das Sprachenkonzept und die schulische Mehrsprachigkeit (Prof. Dr. Claudia Polzin-Haumann, UdS)  
16:45 – 18:00 Ateliers: Deutsch als Zweitsprache und Herkunftssprachen fördern Das Frühe Französischlernen ausbauen Das Lernen von Fremdsprachen und die Mehrsprachigkeit im Sekundarbereich weiterentwickeln Schülerbegegnungen und internationalen pädagogischen Austausch ermöglichen Das Sprachenlernen mit digitalen Lernangeboten optimieren  
18:10 – 18:40 Präsentation der Ergebnisse der Ateliers im Plenum  
18:40 – 19:00 Kommentierung der Ergebnisse durch Vertreter der Landesregierung und der französischen Botschaft  
Im Anschluss: Vin d’honneur    

Ausschreibung des Landesinstituts für Pädagogik und Medien

A3.121-0590

Sprachenkonzept – Mehrsprachigkeit – Frankreichstrategie: Ergebnisse und Perspektiven

Vor knapp einem Jahr wurde das neue Sprachenkonzept für das Saarland im Bildungsministerium der Öffentlichkeit vorgestellt. Der SPRACHENRAT SAAR und der Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft an der Universität des Saarlandes nehmen dies zum Anlass, um diese Evaluations- und Perspektivtagung in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien durchzuführen.
Inhaltlich wird es um Ziele und Umsetzung des vor einem Jahr veröffentlichten Sprachenkonzeptes und der Frankreichstrategie gehen, die als Mehrsprachigkeitsstrategie verstanden wird. In fünf schul- und unterrichtsbezogenen Ateliers werden folgende Themen diskutiert:

  • Deutsch als Zweitsprache und Herkunftssprachen fördern
  • das Frühe Französischlernen ausbauen
  • die Mehrsprachigkeit im Sekundarbereich weiterentwickeln
  • Schülerbegegnungen und internationalen pädagogischen Austausch ermöglichen
  • das Sprachenlernen mit digitalen Lernangeboten optimieren

Die Ergebnisse der Ateliers werden danach im Plenum kurz vorgetragen und von Vertretern der saarländischen Landesregierung und der französischen Botschaft in Berlin kommentiert.

Schulformen: Grundschule,
Gemeinschaftsschule,
Gymnasium,
Förderschule,
Berufliche Schule,
Kindertagesstätte
Leitung: Dr. Hanno Werry
Prof. Dr. Claudia Polzin-Haumann (Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft, Universität des Saarlandes)
Wilfried Schmidt und Prof. Dr. Stefanie Haberzettl (Lehrstuhl für Deutsch als Fremdsprache, Universität des Saarlandes), Vorsitzende des Sprachenrats Saar
Referenten: Verschiedene Autorinnen und Autoren des Sprachenkonzepts und andere Sprachexpertinnen und -experten
Termine: 29.01.2020 15:30 Uhr – 19:00 Uhr    
Ort: VHS-Zentrum am Schloss
Saarbrücken

Sprachenrat Saar fordert eine bildungspolitische Konkretisierung der Frankreichstrategie

Pressemitteilung des Sprachenrates Saar zur aktuellen Diskussion um die Frankreichstrategie des Saarlandes

Der Sprachenrat Saar, ein Zusammenschluss von Institutionen aus Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft, fördert seit seiner Gründung 1991 das Lernen der französischen Sprache im Saarland. Angesichts der aktuellen Diskussion um die Frankreichstrategie des Saarlandes wird vorgeschlagen, dass das Bildungsministerium konkrete Entwicklungsperspektiven und Ziele benennt, statt nur auf Erreichtes hinzuweisen.

„Dass die amtierende Bildungsministerin in einem Interview in der Saarbrücker Zeitung den Eindruck erweckt, die jetzigen Französischangebote im Schulbereich seien ausreichend und die Frankreichstrategie im Schulbereich nicht zu realisieren, erscheint wenig glücklich. Auch die Nennung des Herkunftssprachenlernens in direktem Kontext der Frankreichstrategie als mögliche Konkurrenz zu Französisch ist nicht zielführend“, so der Vorsitzende des Sprachenrates, Wilfried Schmidt. Der Hinweis der Ministerin auf „ein sehr gutes Angebot“ verkenne zudem die Qualitätsprobleme im bestehenden Französischunterricht insbesondere der Grundschule, die angegangen werden müssten. Das Sprachenkonzept Saarland 2019, das gemeinsam von Bildungsministerium, Universität und weiteren Experten aus dem Bildungsbereich erarbeitet worden sei, biete hierzu eine Fülle von Vorschlägen. „Eine Nichtdurchführung qualitätssteigernder Maßnahmen käme angesichts der derzeitigen insgesamt mangelnden Effizienz des stufenübergreifenden Französischlernens einer Verschwendung von Mitteln und Unterrichtszeit gleich und würde das Französischlernen im Saarland weiter diskreditieren“, so Wilfried Schmidt.

Mit der Frankreichstrategie solle das Saarland zu einem „leistungsfähigen mehrsprachigen Raum“ werden, der deutsch-französisch geprägt sein soll. Von dem sprachenpolitisch eher problematischen Begriff der Zweisprachigkeit ist im Eckpunkte-Papier zur Frankreichstrategie nicht die Rede. Für das Sprachenlernen bedeutete dies, so das Sprachenkonzept, dass saarländische Schülerinnen und Schüler  auf dem Fundament einer hohen Kompetenz in der Bildungssprache Deutsch und gegebenenfalls einer anderen Herkunftssprache möglichst gut die Nachbarsprache Französisch, die globale Lingua franca Englisch und gegebenenfalls weitere Sprachen lernen sollten.

Ergänzt wird die Frankreichstrategie durch eine Vision. Danach würde der Prozess hin zu einer leistungsfähigen Mehrsprachigkeit für die Kinder der Jahrgänge ab dem „Élyséejahr 2013“ intensiviert, so dass im Jahre 2043 Französisch als weitere Verkehrssprache die Amts- und Bildungssprache Deutsch ergänzen soll. Wilfried Schmidt: „Diese Vision erfüllte bei aller Schablonenhaftigkeit ihren Zweck insofern, als sie die ehrgeizigen sprachenpolitischen Ziele gut veranschaulichte. Die Frankreichstrategie ist aber viel mehr als die Vision eines zweisprachigen Saarlandes. Aktuell ist ein zielgerichtetes realistisches Bild der Frankreichstrategie zu erarbeiten.“

Laut Sprachenkonzept des Bildungsministeriums könnte die in der Frankreichstrategie vorgeschlagene flächendeckende Einführung des Französischunterrichts ab Klassenstufe 1 den Aufbau einer umfassenden und weitreichenden Verkehrssprachenkompetenz ermöglichen. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass neben dem frühen Französischunterricht in größerem Umfang bilingualer deutsch-französischer Sachfachunterricht erteilt würde. Deshalb, so das Sprachenkonzept, sollte Französisch ab Klasse 1 Pflichtfach für möglichst alle Schülerinnen und Schüler werden.

Für den bilingualen Sachfachunterricht müsse qualifiziertes Lehrpersonal mit hoher Französischkompetenz eingestellt werden. Auch hierfür würden Wege im Sprachenkonzept aufgezeigt. Über die im Koalitionsvertrag vorgesehene Vereinfachung des Einsatzes muttersprachlicher Fachkräfte sollte gerade angesichts des derzeitigen Lehrermangels an Grundschulen intensiver als bisher nachgedacht werden. In diesem Zusammenhang geht es um weitere Möglichkeiten, für den intensiven Französischunterricht und den bilingualen Sachfachunterricht neben den entsprechend qualifizierten Absolventinnen und Absolventen der Saar-Universität qualifizierte zweisprachige Lehrkräfte aus Lothringen einzustellen.

Schnellstmöglich sollte das Bildungsministerium grünes Licht geben für das bestechende Vorhaben der Universität des Saarlandes, gemeinsam mit Partnern in Lothringen mit dem integrierten grenzüberschreitenden Studiengang BiPrimar eine binationale und bivalente gemeinsame Ausbildung von mehrsprachigen Grundschullehrkräften aufzubauen.

Der Sprachenrat Saar will das Bildungsministerium und die Landesregierung in der Umsetzung der Frankreichstrategie weiter unterstützen. Er schlägt seit langem die Bildung einer kompetent besetzten Lenkungsgruppe vor, die Steuerungs- und Entwicklungskonzepte ausarbeitet und implementiert. Wilfried Schmidt: „Am 29. Januar 2020 wird der Sprachenrat Saar gemeinsam mit dem Lehrstuhl für romanische Sprachwissenschaft  an der Universität des Saarlandes eine Evaluationstagung zur Umsetzung des Sprachenkonzeptes und der Frankreichstrategie in Saarbrücken durchführen. Im Rahmen dieser Tagung, die vom Bildungsministerium unterstützt werden sollte, werden konkrete Schritte und ihre Umsetzung diskutiert werden. Zu dieser Tagung darf ich schon heute alle interessierten Bürgerinnen und Bürger einladen.“

Verantwortlich im Sinne des Presserechts:

Wilfried Schmidt

Mozartstraße 10

66333 Völklingen

Tel. 06898/9849757

Erste Stellungnahme des Vorstandes des Sprachenrats zum Sprachenkonzept der Universität des Saarlandes und des saarländischen Bildungsministeriums

Selbstverständlich kann der Sprachenrat Saar diese höchst differenzierte Bestandsaufnahme, Analyse und Maßnahmendiskussion insgesamt nur gut finden.

Aus der Sicht des Sprachenrats sind einige Einzelpunkte besonders hervorzuheben:

  • Positiv ist der Wille zu weiteren Planungen im Bereich ‚Deutsch als Zweitsprache‘ zu bewerten.
  • Geradezu vorbildlich erschienen die Zielstellungen für den Unterricht in den Herkunftssprachen Italienisch, Türkisch, Russisch und Arabisch, wenn auch noch nicht deutlich wird, wann, mit welchem Lehrkräften und auf welchem Niveau eine herkunftssprachliche Alphabetisierung in der ersten Grundschulklasse wirklich flächendeckend angeboten werden wird.
  • Die Ausführungen zur Digitalisierung bleiben relativ unbestimmt. Hier ist Explorationsbedarf.
  • Bezogen auf die Frankreichstrategie wird sehr klar die Forderung erhoben, dass Französisch endlich für alle Schüler/innen Pflichtfach wird, und dafür, wie auch für den bilingualen Sachunterricht, das nötige Lehrpersonal bereitgestellt wird. Dies unterstützt der Sprachenrat ausdrücklich.
  • Der Sprachenrat sieht kritisch, dass Kitas mit 1 (einer) frankophonen Erzieherin bilingual genannt werden. Ein Fortschritt wäre, wenn wenigstens punktuell in grenznahen Kommunen einige wirklich bilinguale Kitas eingerichtet werden: Erzieherinnen und Kinder 50 % deutsch, 50 % französisch.
  • Der Sprachenrat bekräftigt ausdrücklich die Position, dass Englisch und Französisch nicht alternativ zu sehen sind, sondern komplementär, und dass die Sprachenfolge (erst Französisch, dann Englisch) nur fremdsprachendidaktisch begründet ist.
  • Der Sprachenrat schließt sich der Auffassung des Sprachenkonzepts zur ‚Internationalen Schule’ zu 100 % an: keine Großgründung, sondern ‚minimalinvasive‘ Ergänzungen in bestehenden Schulen.

Das Sprachenkonzept konstatiert an einigen Stellen Probleme, die auch der Sprachenrat sieht:

1. Der Terminus ‚Verkehrssprache‘ ist in der Öffentlichkeit diffus. Damit, und mit der Meinung vieler Eltern, Englisch müsse wie in anderen Bundesländern die erste (und dominante) Fremdsprache sein, hängt zusammen, dass das Ziel, Französisch soll zweite Verkehrssprache werden, vielfach auf Unverständnis und Ablehnung stößt.

2. Es ist angesichts der Grenznähe eigentlich unfassbar, dass zwischen saarländischen und französischen Schülern so wenig Kontakt besteht, so wenig Austausch, Partnerschaften etc.

3. Französisch ist, trotz einiger Versuche, in der Öffentlichkeit und vor allem in den Medien viel zu wenig präsent. Dass das Sprachenkonzept französischsprachige Beiträge mit deutschen Untertiteln in TV-Regionalsendungen fordert, ist ja schön. Aber warum fordert es nicht französische Untertitel bei ALLEN TV-Beiträgen des SR?

Diese drei Punkte illustrieren, dass eine seit 5 Jahren erhobene Forderung des Sprachenrats weiterhin notwendig ist: wir brauchen eine Machbarkeitsstudie über die Implementation des Französischen als 2. Verkehrssprache (und nicht nur eine „Wissenschaftliche Untersuchung des Französischen an Grundschulen“), die Probleme und Widerstände genau analysiert, Überzeugungsstrategien entwickelt und vor allem nach Interventionsmöglichkeiten auch außerhalb des Bildungssystems sucht.

Der Sprachenrat wird in den nächsten Monaten das Konzept gründlich diskutieren. Der Vorstand strebt an, im Herbst 2019 zusammen mit Herausgebern und Autoren des Konzepts ein öffentliches Panel zu veranstalten.

Positionspapier zur Gelebten Mehrsprachigkeit im Saarland

Das neue Sprachenkonzept der Landesregierung konzentriert sich fast ausschließlich auf die Bereiche Vorschule und Schule. Es ist somit ein zwar notwendiger, aber kein hinreichender Schritt hin zu dem, was der Sprachenrat Saar seit seiner Gründung als Ziel anstrebt: „Gelebte Mehrsprachigkeit“ im Saarland mit dem Schwerpunkt auf der Nachbarschaftssprache Französisch plus Englisch als moderner lingua franca. Der Sprachenrat knüpft dabei an die Forderung des Europäischen Rates an, der das Konzept „Muttersprache plus zwei Fremdsprachen“ seit langem offensiv vertritt. Das Konzept „Gelebte Mehrsprachigkeit“ muss nach Auffassung des Sprachenrates Saar deshalb alle Bildungsbereiche, Politik und Verwaltung, Kultur sowie die Medien umfassen.

Die demographische Entwicklung im Saarland wird sich in den nächsten Jahrzehnten deutlich verschlechtern, während die Bevölkerungsentwicklung im benachbarten Lothringen sich als stabil erweist und sogar Zuwächse aufweist. Die bereits hohe Zahl von Lothringern, die im Saarland arbeiten möchten, wird so in Zukunft noch erheblich zunehmen. Gleichzeitig verfügen immer weniger junge Franzosen aus der Grenzregion über dialektale Kenntnisse oder ausreichende Fertigkeiten in der deutschen Standardsprache. Das Saarland braucht deshalb in Zukunft erheblich mehr französisch sprechende Führungskräfte in Handel, Industrie und Dienstleistung, um auf Dauer seine Wettbewerbsfähigkeit im nationalen und internationalen Rahmen zu sichern.

Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass auch im Bereich der Politik und Verwaltung sowohl auf regionaler wie auf kommunaler Ebene die Grenzregionen sich stärker als bisher vernetzen und intensiver zusammenarbeiten werden (Eurodistrikt, Eurozone, Quattropole etc.). Diese grenzüberschreitenden Strukturen werden jedoch nur gedeihen können, wenn über das bislang erreichte Maß hinaus Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen, aber auch politische Funktionsträger Französisch beherrschen, also eine französisch durchsetzte Infrastruktur entsteht, so dass eine Migration aus Luxemburg und Lothringen ins Saarland attraktiver wird. Zumindest auf Regierungsebene gibt es bereits vielversprechende Ansätze in der Personalpolitik: die Frankophonie in der Ministerialbürokratie ist z.T. vorbildlich entwickelt.

Neben diesem „pragmatischen“ Aspekt kann das Saarland mit einem umfassenden Konzept der „gelebten Mehrsprachigkeit“ eine Vorreiterrolle in der Bundesrepublik spielen und ein Alleinstellungsmerkmal erwerben, das aus ihm – jenseits wohlfeiler Marketing-Sprüche –  wirklich das „frankophonste Bundesland“ machen und seine Brückenfunktion nach Frankreich und seine Rolle als europäische Kernregion im Verbund mit den Nachbarn erheblich stärken würde. Kultur und Medien müssten dabei einbezogen und alle Bildungsbereiche auf das Globalziel „gelebte Mehrsprachigkeit“ verpflichtet werden.

Saarbrücken, Juni 2010

Runder Tisch im Saarbrücker Schloss

Was wird aus der Frankreichstrategie des Saarlandes? – Fragen an die Landesregierung


Am 5.12., 16-18 Uhr fand im Saarbrücker Schloss ein Runder Tisch statt zu Sorgen, die sich viele Interessierte um die vor Jahren verkündete Frankreichstrategie machen. Die Landesregierung wurde vertreten von Roland Theis, Staatssekretär im Europaministerium. Interessierte, die sich Sorgen machen, waren außer dem Veranstalter – Sprachenrat Saar –, die Spitzen der IHK, vertreten durch Herrn Groll, der VSU, vertreten durch Herrn Malter, der HWK, vertreten durch Herrn Ochner, der AK, vertreten durch Herrn Otto, des DGB, vertreten durch Herrn Schulz, der Europa-Union Saar, vertreten durch Herrn Stockhorst. Eingeladen waren auch die Fraktionsspitzen der Landtagsparteien. Gekommen waren Vertreterinnen der CDU- (Frau Meyer) und der Linken-Fraktion (Frau Spaniol). Der Sprachenrat, vertreten durch Herrn Gutenberg, beklagte, dass die Einführung des Französischen als funktionaler Zweitsprache nicht nachdrücklich genug betrieben wird, mit zu wenig institutionellem und vor allem viel zu wenig finanziellem Ehrgeiz. Auch alle anderen Anwesenden vertraten mehr oder weniger deutlich diese Position und stimmten im Prinzip der Auffassung des Sprachenrates zu, es werde eine Art Machbarkeitsstudie gebraucht, die vor allem Hindernisse und Widerstände gegen die geplante Implementation des Französischem analysieren und einen wesentlich präziseren ‚Fahrplan‘ entwickeln sollte als die vorhandene ‚feuille de route‘. Staatssekretär Theis wies auf viele, öffentlich nicht immer sichtbare Erfolge der Frankreichstrategie hin, räumte die Notwendigkeit einer ehrgeizigeren Agenda ein und lud für die nahe Zukunft zu Gesprächen über eine solche Agenda ein

Stellungnahme des Sprachenrates Saar zum geplanten Sprachenkonzept der Landesregierung

Vorbemerkungen

Das Saarland bedarf, um als Kernregion auf Dauer den Anforderungen eines sich dynamisch entwickelnden europäischen Binnenmarktes zu entsprechen, nach Auffassung des Sprachenrates Saar weiterer sprachenpolitischer Anstrengungen, die über das bislang Erreichte hinausreichen müssen. In den kommenden Jahren sollte angestrebt werden, dass die Bürgerinnen und Bürger des Landes über ausreichende Kompetenzen in anderen Sprachen, vor allem der Nachbarsprache Französisch, verfügen, um ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern und ihr Wissen um die eigene und andere Kulturen zu vertiefen. Fremdsprachenkenntnisse dienen der Verständigung zwischen Menschen, können Konflikte zwischen Kulturen abbauen („soziale Kohäsion“) und sind auch eine wichtige, auch wirtschaftspolitisch bedeutende Grundlage für ein zusammenwachsendes Europa. Dies gilt in Sonderheit für die Grenzregion Saar-Lor-Lux.

Der Sprachenrat Saar begrüßt deshalb ausdrücklich, dass die Landesregierung endlich ein umfassendes Sprachenkonzept für den schulischen Bereich erarbeiten wird. Der Sprachenrat ist allerdings der Auffassung, dass ein solches Konzept nicht nur den schulischen bzw. vorschulischen , sondern alle Bildungsbereiche („lebenslanges Lernen“), die Medien und viele andere Bereiche des gesellschaftlichen Alltags umfassen sollte. Deshalb wird der Sprachenrat Saar in seiner Stellungnahme auch diese Aspekte ansprechen.

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Mehrsprachigkeit

Die Bildungs- und Gesellschaftspolitik des Saarlandes sollte sich dem Ziel einer stufenweise zu realisierenden „gelebten Mehrsprachigkeit“ verpflichten. Hierzu zählen nach Auffassung des Sprachenrates:

  •  gute aktive wie passive Grundkenntnisse des Französischen als Basis-Fremdsprache
  • Englisch als moderne „lingua franca“ und Verkehrssprache
  •  sowie mindestens eine weitere Fremdsprache

Ein solches Ziel wird sich nur dann mit Aussicht auf Erfolg anstreben lassen, wenn es alle Bildungsbereiche – von der Vorschule bis zur Universität – umfasst und darüber hinaus, im Sinne der „gelebten Mehrsprachigkeit“ die Alltagswirklichkeit aller Saarländerinnen und Saarländer mitprägt: Mehr Fremdsprachige, besonders französischsprachige Beträge in unseren Medien (Print ,Rundfunk und Fernsehen), Förderung der Ausstrahlung fremdsprachiger Filme in der Originalsprache mit Untertiteln, eine stärkere Präsenz französischsprachiger Hinweise und Beschreibungen im öffentlichen und privaten Raum, kostenfreier Zugriff auf fremdsprachige Homepages für Schulen und Weiterbildungsinstitutionen sind hier beispielhaft zu nennen.

Dem Sprachenrat erscheint es dabei unerlässlich, dass die saarländische Landesregierung hierzu eine fundierte wissenschaftliche Studie, in der die konkreten Schritte hin zu diesem bildungspolitischen Globalziel (Zeitrahmen : 30 Jahre) entwickelt werden sollen, in Auftrag gibt – mit Präferenz im Rahmen eines EU – Projektes, für dessen Planung und Durchführung der Sprachenrat Saar seine Mitarbeit anbietet. 

Französisch im Kindergarten und in der Grundschule

Die bestehenden Französisch – Angebote im Vorschulbereich nach dem Immersions-Prinzip werden flächendeckend nach dem Motto „Kein Kindergarten ohne Französisch“ ausgebaut. Das Land sollte dafür Sorge tragen, dass vor allem geeignete Muttersprachlerinnen und Muttersprachler für diese Aufgabe gewonnen werden und entsprechend pädagogisch ausgebildet bzw. qualifiziert werden. Die weitere Einrichtung bilingualer Kindergärten ist zu fördern.

Im Primarbereich sollte der Übergang zum schulischen Französischlernen an den pädagogischen Konzepten aus dem Vorschulbereich anknüpfen und eine verstärkte Einbeziehung der qualifizierten muttersprachlichen Lehrkräfte ermöglichen.

Unerlässlich ist es hierbei, dass die saarländische Bildungspolitik in ihrer Elternarbeit die Vorteile eines frühen Fremdsprachenerwerbs noch deutlicher hervorhebt und ihre Informations – und Werbeanstrengungen diesbezüglich intensiviert.

Für die Grundschul-Ausbildung im Saarland sollten auch französischsprachige Muttersprachler gewonnen werden und die Ausbildung insgesamt auch für Lehrkräfte aus dem benachbarten Lothringen geöffnet sowie französischsprachige Ausbildungsmodule für die Studierenden mit deutscher Muttersprache angeboten werden. Ziel wäre es hierbei, dass bereits in der Grundschule im ausgewählten Fach bzw. Sachunterricht auf Französisch unterrichtet wird. Gleiches ist für den Deutschunterricht im Primarbereich für Lothringen anzustreben.

Französisch- und Englisch-Unterricht in Sekundarschulen

Dem Ziel „gelebter Mehrsprachigkeit“ verpflichtet, hält es der Sprachenrat Saar für unabdingbar, dass die Kontinuität des Fremdsprachenlernens auch bei Schulstufen und Schulform – Übergängen gewahrt bleibt, für die allermeisten Schülerinnen und Schüler also Französisch in allen Klassenstufen 5 unterrichtet wird. Ab Klassenstufe 5 sollte die zweite Fremdsprache einsetzen und jede Schülerin und jeder Schüler sollte ab Klassenstufe 7 die Möglichkeit erhalten, eine dritte Fremdsprache zu erlernen. Französisch sollte im Saarland nicht abgewählt werden können.

Der Sprachenrat Saar verweist in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme des Gesamtverbandes Moderne Fremdsprachen, der er sich voll inhaltlich anschließt.

Bilinguale Angebote und Austausch

Der Sprachenrat Saar unterstützt den weiteren Ausbau von Schulen mit bilingualem Zug sowie die Ausweitung von bilingualen Zweigen sowie fremdsprachige Modularisierungen für alle Schulstufen. Fremdsprachiger Sach- bzw. Fachunterricht sollte an saarländischen Schulen nicht mehr die Ausnahme sein, sondern zur Regel werden. Die daraus resultierenden Konsequenzen für die Lehrerausbildung und -qualifizierung sind bereits für die Grundschule erwähnt worden und müssen natürlich in der Ausbildung der Lehrkräfte für die Sekundarstufe Berücksichtigung finden.

Schulpartnerschaften und Schüleraustausch haben eine sehr wichtige soziale, kulturelle und sprachpädagogische Funktion und bedürfen der verstärkten, auch finanziellen Förderung. EU-Programme zum Austausch und Fremdsprachenlernen (Comenius, Leonardo und Grundtvig) sollten im Saarland umfangreicher genutzt werden als in der Vergangenheit. Hier könnte die Landesregierung stärker werbend, anleitend und begleitend auf die Schulen und Bildungsinstitutionen wirken und noch deutlich mehr konkrete Hilfestellungen, was die Partnersuche und die häufig abschreckende Antragsprozeduren betrifft, anbieten.

Deutsch als Zweitsprache

Die bislang durchgeführten staatlich und nicht-staatlich finanzierten Fördermaßnahmen vornehmlich im Elementarbereich und Primarbereich sind ein Beleg für den wachsenden Bedarf an gezielten und auf Dauer angelegten Förderprogrammen Deutsch als Zweitsprache. Den Ausbau dieses Bereiches und die Aufgabe einer verbesserten Abstimmung und Koordinierung sollte das Bildungsministerium als prioritäre Aufgabe definieren und entsprechend personell ausstatten.

Der Sprachenrat Saar sieht in diesem Bereich die Politik als Ganzes in der Verantwortung. Deshalb sollten bislang privat bzw. aus Stiftungsmitteln finanzierte Fördermaßnahmen mit zeitlich befristeter Dauer, wie zum Beispiel das Mercator-Projekt, in den Bereich der staatlichen Pflichtaufgaben überführt und qualifizierte pädagogische Personal aus den Projekten in den Landesdienst übernommen werden.

Nur durch eine solche Schwerpunktsetzung werden die leider immer noch gravierenden Konsequenzen unzureichender DaZ – Förderung (zu wenige höhere Schulabschlüsse für Kinder aus Migrantenfamilien, schlechte Berufs- und Ausbildungschancen aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse, Schulabbrüche) zu bekämpfen sein.

Der Sprachenrat hält es darüber hinaus für unabdingbar, dass in der Deutschlehrerausbildung für alle Schulformen und -stufen ein Pflichtmodul DaZ zu absolvieren ist und alle zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer im Saarland in ihrer universitären Ausbildung auf die mehrsprachige Situation in den Schulen vorbereitet werden und über Grundkenntnisse in zumindest einer Migrantensprache verfügen sollten.

Deutsch als Muttersprache

Bis zu 25% eines Hauptschuljahrgangs in Deutschland sind nach den Maßstäben der Wirtschaft wegen riesigen Defizite in den Schlüsselkompetenzen Lesen, Reden, Schreiben, Hören nicht ausbildungsreif. Daß dieser Hauptschuljahrgang zu 18% Migrationshintergrund hat, sollte nicht zu der Annahme verleiten, dass diese 18% allesamt nicht ausbildungsreif seien, also nur 7% der Muttersprachler/innen davon betroffen seien. Gerade ein im Saarland von 2005 bis 2009 durchgeführtes Forschungsprojekt zeigte in den mündlichen und schriftlichen Leistungen zwischen Muttersprachler/innen und Schüler/innen mit Migrationshintergrund keine signifikanten Unterschiede; eher waren die Lernfortschritte der Migrationskinder in den Trainings, die im Projekt getestet wurden größer. In dem Maße wie Jugendliche mit Migrationshintergrund Förderung im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ brauchen, brauchen ihre meist im Dialekt aufwachsenden Altersgenossen Förderung im Bereich „Deutsch als Muttersprache“. Dazu gehört, dass vor allem im Hauptschulzweig – und später in den berufsbildenden Schulen – der Deutschunterricht umgestellt wird von einer dem philologisch-literarischen Grundlage hin auf kommunikativ-funktionale Textsorten und realen, lebens- und arbeitsweltorientierten Kommunkationsaufgaben – mit den entsprechenden Konsequenzen für die universitäre Lehrerbildung.

Förderung herkunftssprachlicher Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund

Die herkunftssprachlichen Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund liegen in unserem heutigen Schulsystem weitestgehend brach, obwohl herkunftssprachlicher Unterricht und Modelle des Tandemlernens nach unserer Auffassung geeignet sind, den Lernerfolg und die Integrationschancen deutlich zu verbessern. Hierzu sind verstärkt pädagogische Konzepte zu entwickeln und umzusetzen ; in der Lehrerausbildung ist die Vermittlung von sprachlichen und kulturellen Kompetenzen hinsichtlich der Hauptherkunftsländer vieler Schülerinnen und Schüler deutlich zu verstärken.

Mit dem beschämend geringen Anteil von ausgebildeten Lehrern und Lehrerinnen mit Migrationshintergrund im saarländischen Schulwesen darf man sich nicht abfinden. Für den Beruf muss unter Migranten und Migrantinnen offensiv geworben werden und es ist zu prüfen, inwieweit das Instrument des Quereinstiegs in den Lehrerberuf für diese Zielgruppe ausgeweitet werden kann.

Berufsbildende Schulen

Fremdsprachliche Kompetenzen gewinnen im beruflichen Bereich zunehmend an Bedeutung; das Zusammenwachsen Europas ist hierfür ebenso verantwortlich wie Internationalisierung und Globalisierung. Diese Kompetenzen sind Voraussetzung für berufliche Mobilität des Einzelnen und gehören ebenso in die Unternehmenskultur international tätiger Firmen; auch tragen sie zur Förderung der Standortbedingungen einer Region bei, insbesondere dann, wenn der Schwerpunkt auf die Nachbarsprache in einer Grenzregion gelegt und eine sinnvolle Verbindung mit den unerlässlichen Kompetenzen in Englisch als „lingua franca“ gefunden wird. Damit könnte ein Beitrag zur Förderung der Mehrsprachigkeit im Saarland geleistet werden.

Die in der Grossregion bereits vorhandene, aber durchaus ausbaufähige Zusammenarbeit mit den entsprechenden Einrichtungen in der Nachbarregion kann die gerade in diesem Bereich notwendige Authentizität der Lerninhalte und Verwendungssituationen gewährleisten. Die Analyse und Auswertung von Bedarfen und Bedürfnissen hat noch lange nicht den Stellenwert erreicht, der für eine qualitative angemessene Vermittlung nötig ist. Aber auch die quantitativen Aspekte des Problemfeldes müssen aufhorchen lassen; die Teilnehmerzahlen im Fremdsprachenunterricht der berufsbildenden Schulen sind erschreckend niedrig, insbesondere im dualen Ausbildungsbereich (nicht nur im Saarland).

Die dringliche Verbesserung dieser Situation muss an verschiedenen Punkten ansetzen: Motivation, methodisch-didaktische Maßnahmen, Ressourcen, moderne Lehr- und Lernmittel, Praxisbezug, Internationalisierung, public-private-Kooperation sowie – von grundlegender Bedeutung – eine systemisch und grundlegend aus- und umzugestaltende Ausbildung der Lehrkräfte für den Bereich der Fremdsprachenvermittlung in berufsbildenden Schulen. Es erscheint sinnvoll, Ausbildungseinrichtungen (Hochschulen), Abnehmereinrichtungen (Kammern) und Administrationen (Bildungsministerium, Wirtschaftsministerium, Europaministerium und Ministerium für Arbeit und Soziales) zu gemeinsam verantworteter Planung und Realisierung zusammenzuführen.

Dann kann es gelingen, die bislang noch stark philologisch geprägte Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte des berufsbildenden Bereichs (Schule und Weiterbildung) in die notwendige Eigenständigkeit zu führen. Und dann besteht auch eine Chance, dass der berufsbildende Bereich „auf gleicher Augenhöhe“ mit dem allgemeinbildenden Bereich kooperiert und die so dringlich notwendigen berufsorientierten Impulse in diesen allgemeinbildenden Bereich hinein geben kann.

Zertifizierungen und Evaluationen von Sprachkenntnissen

Der Fremdsprachenunterricht auf allen Stufen und in allen Schulformen sollte sich nach Auffassung des Sprachenrates Saar stärker als bisher auch an den Fertigkeitsbeschreibungen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens orientieren und auf ihn abgestimmt sein. Das bisherige Angebot an standardisierten, international anerkannten, sich an den Niveaustufenbeschreibungen des Referenzrahmens orientierenden Prüfungsabschlüssen im Saarland (Delf, Dalf, Cambridge, Telc) sollte ausgebaut und vom Land finanziell gefördert werden. (Prüfungsgebühren müssten für Schülerinnen und Schüler aus finanzschwachen Familien vom Land übernommen werden). In einem Europa, in dem Bildungsabschlüsse zunehmend harmonisiert und vergleichbar gestaltet werden, stellen diese über den nationalen Rahmen hinaus anerkannten Zertifizierungen eines erreichten Fremdsprachenniveaus einen zunehmend wichtiger werdenden Bestandteil der jeweiligen Lernbiografie und des individuellen Sprachenportfolios dar.

Universität

Der Sprachenrat Saar fordert alle Hochschulen im Saarland auf, besonders aber die Universität, in allen Studiengängen, gleichviel in welcher Fakultät, eine Fremdsprache (2 Semester) obligatorisch zu machen. Englisch kann als Pflichtsprache NICHT gewählt werden. In den Fremdsprachenphilologien ist diese obligatorische Sprache nicht identisch mit der/den studierten Sprache/n.

Weiterbildung

Im Saarland bieten vor allem die staatlich anerkannnten und aus öffentlichen Mitteln geförderten Volkshochschulen ein flächendeckendes und umfassendes Spektrum an Fremdsprachunterricht in der Weiterbildung an, der sich auf allen Stufen am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen orientiert.

Die Volkshochschulen fördern somit in Anlehnung an die Ziele des Europarats gemäß dem Leitbild des „Lernens im Lebenslauf“ die Mehrsprachigkeit aller Bürgerinnen und Bürger. Ein wichtiger Schwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich Deutsch als Zweitsprache in den Bereichen Integration und Zuwanderung gebildet.

Der Verband der Volkshochschulen des Saarlandes unterhält eine Prüfungszentrale, die landesweit verschiedene Prüfungen für Sprachenzertifikate koordiniert und durchführt. In diesem Bereich arbeiten die Volkshochschulen und der Verband intensiv mit den allgemeinbildenden Schulen zusammen und leisten damit einen auf der institutionellen Ebene einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der Bildungseinrichtungen.

 Die Landesregierung des Saarlandes sollte sich dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur für das Fremdsprachenlernen in der Weiterbildung zu verbessern und qualitativ auszubauen. Hierzu sollte auf folgende Schwerpunkte gesetzt werden:

  • Sicherstellung und Ausbau einer für das Sprachenlernen erforderlichen flächendeckenden Infrastruktur
  • Förderung der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung
  • Fortsetzung der Vernetzung der Bildungsbereiche
  • Förderung des Erwerbs von Sprachzertifikaten für Schule, Hochschule und Beruf
  • Förderung des Sprachenlernens der Nachbarsprache Französisch
  • Förderung des Sprachenlernens von Deutsch als Zweitsprache für die Bereiche Integration und Zuwanderung


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